![]() |
![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Frühlingsfest Mosaik | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| ___________________________________________________________________________________________________________________________________________ | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| IMPRESSUM | ARCHIV | STARTSEITE | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| ___________________________________________________________________________________________________________________________________________ | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| 2004 Lebensbilder | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| _______________________________________________________________________________________________________________________ | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Bruno | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Bruno ist 1938 in Udine im Friaul geboren und aufgewachsen. Geplant war für ihn entweder die Kunstakademie oder die Marineakademie in Venedig. Ein Schicksalsschlag gab seinem Leben aber eine ganz andere Richtung. 1955 kam sein Vater bei einem Unfall ums Leben. Das Einkommen blieb aus, und die Hinterbliebenen fielen der Grossfamilie zur Last. Zwei Jahre später kamen seine Cousins mit einem Arbeitsvertrag in den Händen und schickten den Achtzehnjährigen in die Schweiz. Bruno musste emigrieren und für sich, seine Mutter und seine jüngere Schwester aufkommen. Viele Jahre arbeitete er auf dem Bau. Später wurde er Gewerkschaftssekretär bei der SBHV, heute "Unia". An vielen Orten setzte er sich ein: in vielen italienischen Organisationen, in der städtischen Ausländerkommision oder im Stiftungsrat des Volkshauses - überzeugt davon, dass man Probleme nur mit Arbeit lösen kann ... Die Demokratie braucht Zeit und Einsatz. Bruno hat sich politisch integriert und kennt sich in der linken Szene sehr gut aus. Allerdings hat er zunehmend Mühe mit der SP, denn er erlebt sie nicht mehr als Partei der Arbeiter, sondern eher als Partei jener, denen sie ermöglicht, politisch Karriere zu machen. "Die einfachen Leute verstehen nicht mehr, was die SP-Politiker sagen. Und wo war die SP im Vorfeld der Abstimmung über die Erleichterung der hier geborenen Ausländer? Die Immigranten sind eben kein wahlförderndes Thema. Manche SP-Politiker scheuen den Kontakt mit den Arbeitern, den Männern mit den grossen Händen, erst recht, wenn sie nicht gut Deutsch reden ... Die Volknähe ist der SP verloren gegangen!" Bruno hat keinen Schweizerpass. Nach 48 Jahren Leben und Arbeit in der Schweiz ist er nicht mehr bereit, dafür Geld zu bezahlen. Dadurch kann er aber weder wählen noch stimmen. Einige Stimmen mobilisiere er aber jeweils schon in seinem Sinn ... Er fragt sich auch, warum in der neuen Zürcher Kantonsverfassung kein Passus über das Wahl- und Stimmrecht der Ausländer stehe - im Gegensatz zu vielen anderen Kantonsverfassungen, die es den Gemeinden freistellen, ein solches einzuführen. "Wir müssen doch Freunde werden und politisch zusammenarbeiten!" Seit ein paar Jahren zieht es Bruno nach Hause. Die italienische Politik interessiert ihn mehr als früher. Ein Teil seiner Familie wohnt in Triest, die Familie seiner Frau in Venedig. Seine Tochter studiert in Fribourg, sein Sohn in Zürich. Seine Frau möchte einfach dort leben, wo die Kinder sind. Er selber bezeichnet sich als "Liebhaber" seiner Kinder. - Wo wird sein Leben weitergehen? "Immer wir müssen bezahlen. Wir mussten gehen. Jetzt kommen doch auch einmal wir dran!" Noch nichts ist entschieden. Einstweilen sammelt er Bücher zu seinen Themen: Politik, Kunst, Geschichte und Sprachen. Und er ist daran, Leinwände für seine zukünftigen Bilder vorzubereiten ... Ob im Friaul oder in Zürich - jetzt ist Bruno dran: seine Seele, seine Beziehungen oder auch jener Faden, den ihm das Schicksal vor fünfzig Jahren aus den Händen genommen hat: die Malerei. (mst) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| _______________________________________________________________________________________________________________________ | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Franco | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Franco ist 1938 auf der kleinen Nebeninsel S. Antioco im Südwesten der Insel Sardinien geboren. Das Städtchen S. Antioco / Provinz Cagliari zählt ca. 16'000 Seelen. Viele Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt in den Salinen, im Hafen, in der Landwirtschaft, im Tourismus. Sein Vater ist im Waisenhaus in S. Antioco aufgewachsen, da seine Mutter, die vierte Frau des Grossvaters, an seiner Geburt und der Grossvater schon vorher verstorben war. Der Grossvater war Admiral auf einem grossen Schiff. Er stammte aus einer Nobelfamilie in der Toscana. Die reichen, erwachsenen Geschwister von Francos Vater bezahlten die Waisenhauskosten. Sein Vater erlernte den Beruf des Schneiders. Seine Mutter, Schneiderin, ist in Cagliari aufgewachsen, ihr Vater verdiente den Lebensunterhalt für die Familie als Fischer. Seine Familie hatte sechs Kinder, drei Mädchen und drei Knaben. Sie wohnten in einer bescheidenen Mietwohnung in S. Antioco. Die Eltern verdienten den Lebensunterhalt mir Schneidern. Franco besuchte fünf Jahre die Volksschule. Während der Freizeit fand er, wie auch seine Brüder, immer wieder Möglichkeiten, ein paar Batzen zu verdienen um die Familie zu unterstützen. Die drei Schwestern waren mit Hausarbeiten beschäftigt. Nach der Schulzeit arbeitete er als nur elfjähriger Knabe in der Bäckerei von Verwandten. Die Arbeit in der Bäckerei machte ihm Spass. Als fünfzehnjähriger Bursche meldete er sich für drei Jahre als Küchenjunge auf einem Holz- und Kohle-Frachtschiff. Mit den Seeleuten lernte er grosse Städte kennen, z.B. Genua, Hamburg, Tunesien, die Insel Malta. Mit 18 Jahren hatte er die Möglichkeit, sich entweder bei der Polizei, beim Zoll oder bei der Armee zu melden. Er entschied sich für die freiwillige italienische Armee für drei Jahre. Nach seiner Rückkehr nach Sardinien und schlechten Zukunftsaussichten verbrachte er vorerst zwei Wochen Ferien erstmals in der Schweiz bei einer Schwester in Spreitenbach. Als junger Mann bleiben ihm seine damaligen Eindrücke von Zürich unvergesslich: die vielen hübschen, blonden Frauen, die grüne, ruhige, gepflegte Stadt! Hier fühlte er sich sehr wohl. Eine Woche zurück auf Sardinien beschloss er, einer Schwester und zwei Brüdern zu folgen und auszuwandern. Er packte seine wenigen Habseligkeiten. Sein eigenes Geld reichte gerade für die Reise per Schiff und Bahn nach Zürich. Innert einer Woche fand er Arbeit in der Bäckerei Ghilardi in Urdorf. In diesem sehr familiären Betrieb war er sehr gut aufgehoben, er schätzte diese grosse Sicherheit mit einem Monatslohn von Fr. 550.-, gratis Kost und Logis. Er wurde von lieben Schweizerinnen und Schweizern umsorgt - so wuchs sein Vertrauen, Sicherheit und sein Wunsch nach einer eigenen Familie. Im Jahr 1969 zieht es ihn nach Zürich, in die Nähe seiner lieben Freundin Ursula, in Ausbildung als Krankenschwester. Bald findet in Ursulas Herkunftsstadt Chur die Hochzeit statt. Seither wohnen die beiden mit ihren mittlerweile erwachsenen Kindern Sabrina und Mischa in Schwamendingen. Auch nach 42 Jahren fühlt sich Franco im Herzen noch immer als Italiener, lebt und arbeitet aber sehr gerne in der Schweiz. Er möchte den schweizerischen Perfektionismus in der grünen Stadt Zürich nicht missen! (hb) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| _______________________________________________________________________________________________________________________ | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Gina | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Gina ist 1943 in Martano bei Lecce geboren - als mittleres von drei Mädchen. Solange der Vater und nach seinem frühen Tod wenigstens der Grossvater noch lebte, ging es der Familie materiell gut. Der Grossvater war der Gutsverwalter wohlhabender Leute. Gerne erinnert Gina sich an das Abgeholtwerden nach der Schule mit Ross und Wagen - hinaus zu den "Trulli", den Steinhäusern, bei denen die Landarbeiter im Sommer arbeiteten. Als sie zehn Jahre alt war, starb aber auch der Grossvater, und es wurde für ihre Mutter mit den drei kleinen Mädchen sehr schwierig. Nach den fünf obligatorischen Schuljahren lernten alle einen Beruf. Gina wurde Stickerin. Verdienen liess sich damit aber nicht viel. Als sie 18 Jahre alt war, wollte sie unbedingt Geld verdienen, auch für ihre Mutter. So reiste sie in die Schweiz: zu ihrer älteren Schwester und ihrem Schwager. Sie hatten ihr bereits eine Arbeitsstelle in einer Zuschneiderei gefunden. Darüber freute sie sich sehr. Gleichzeitig war das Weggehen von zu Hause eine Tragödie. Obwohl sie sich zwei jungen Männern aus dem Dorf anschliessen konnte, weinte sie von Martano bis nach Lecce. In Mailand wurde sie von ihrem Schwager abgeholt. Die Reise durch die Berge gefiel ihr sehr. In Zürich regnete es. Ihre Verwandten hatten im Seefeld ein möbliertes Zimmer in einer Wohnung gemietet. Gina fand in einem anderen Zimmer Platz, zusammen mit einer zukünftigen Arbeitskollegin. An grosse, hohe Räume gewohnt kam ihr alles klein und heimelig vor - fast wie in einem Puppenhaus. Während der Tramfahrt ins Seefeld hörte sie Schweizerdeutsch und fragte sich, wie sich diese Menschen nur verstehen konnten ... Sofort hat sie angefangen, Deutsch zu lernen: mit Wörterlisten, die ihr Schwager für sie fortlaufend zusammenstellte, später auch in der Gewerbeschule. Am Arbeitsplatz ging es ihr gut. Alle waren nett zu ihr. Sie liebten wohl ihr fröhliches Wesen. Eine gegenteilige Erfahrung wird sie aber wohl nie vergessen. Einmal, als sie singend ihr Arbeit verrichtete, kam ihr Chef und sagte: "Gina, hier wird nicht gesungen. Hier wird gearbeitet!" - Schnell war ihr klar, dass sie weiterkommen wollte. Aber wie? Sie lernte fleissig Deutsch und machte einen Schreibmaschinen-Kurs. Damit bekam sie eine anspruchsvollere Stelle in der Spedition der gleichen Firma. Als Gina etwas über 20 Jahre alt war, freundete sie sich mit einem ein paar Jahre älteren Mann aus dem gleichen Dorf an. Vorher aber ging er ganz offiziell zu ihrer Schwester und ihrem Schwager und bat um die Erlaubnis, sich kennenzulernen. Gina wäre von sich aus nie auf die Idee gekommen; sie war ganz glücklich unter ihren Freundinnen und Freunden. 1967 heirateten sie. Romolo ist ein versierter Möbelschreiber und eine vielseitige Person. Er hat an verschiedenen Stellen auf seinem Beruf gearbeitet und wurde immer sehr geschätzt. Seit fünf Jahren ist er pensioniert. Seine verdiente Ruhezeit widmet er der Malerei und seinem Garten. 1968 ist Luca, drei Jahre später Silvia auf die Welt gekommen. Die Familie zügelte in eine Wohnung nach Schwamendingen. Eigene Möbel mussten gekauft werden. Das Geld reichte aber nur zum Leben, also beschloss Gina wieder zu arbeiten. Es war ihr wichtig, nicht auf alles verzichten zu müssen und auch etwas Geld auf die Seite legen zu können. Luca war im Hort; Silvia fühlte sich aber in der Krippe gar nicht wohl und weinte viel. Nach zwei Monaten kam deshalb Romolos Mutter für einen Winter in die Schweiz und schaute zu den Kindern. Anschliessend blieb Gina ein paar Jahre zu Hause. Als die Kinder grösser waren, spürte sie, dass sie wieder etwas unternehmen musste. Zwölf Jahre lang (1982-94) arbeitete sie, immer dann, wenn die Kinder in der Schule waren, in der Versandabteilung einer Firma. Gleichzeitig bildete sie sich in PC- und kaufmännischen Kursen weiter. Als die Firma wegzog, wurde der Arbeitsweg zu umständlich, und sie suchte sich 1994 eine neue Arbeit. Drei Jahre lang ging alles gut. Sie arbeitete in einem Labor. Doch plötzlich war die Atmosphäre total verdorben und sie erlebte schlimmstes Mobbing. An ihr und ihrer Arbeit war nichts mehr recht. Sie litt sehr. Zudem wurde in jener Zeit auch ihre Mutter sehr krank. Mit Hilfe einer Anwältin erreichte sie 1999 eine Kündigung und ein angemessenes Zeugnis. Wie weiter? Sie wollte keinesfalls stempeln gehen. So schlug sie das Telefonbuch unter "Labor" auf, suchte und fand wieder eine Stelle, zwar nicht im Labor selber, aber in der Administration. In etwa zwei Jahren wird sie pensioniert. Gina und Romolo werden nicht zurückgehen, sondern ein bisschen pendeln. Natürlich haben sie dort Wurzeln, aber hier vielleicht noch einige mehr und wichtigere: die Kinder - und bald auch die Grosskinder - leben hier. Gina fühlt sich integriert. Sie hat nie Ablehnung als Italienerin erlebt. Sie spricht sehr gut Deutsch und nimmt auch am gesellschaftlichen Leben teil. Als die Kinder noch klein waren, war sie jahrelang in der Ausländerkommision der Schulpflege tätig. Seit zehn Jahren arbeitet sie im Vorstand ihrer Baugenossenschaft mit. Auch Romolo fühlt sich integriert. Von der deutschen Sprache hat er allerdings nur soviel gelernt, wie er am Arbeitsplatz nötig hatte. Trotzdem haben sie gute Kontakte mit Schweizer Kollegen. Das Privatleben der Familie spielt sich jedoch vorwiegend unter den eigenen Landsleuten ab. Es sind ganz viele da: Verwandte und Bekannte aus Lecce und Umgebung, und die Familienbande sind stark. - Bei den mittlerweile erwachsenen Kindern ist dies anders, denn ihre Sozialisation fand ja immer im Kontakt mit Schweizern und anderen Zugezogenen statt. (mst) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| _______________________________________________________________________________________________________________________ | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Sergio | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Sergio ist 1925 in der Schweiz geboren und die ersten Jahre bei Schweizer Pflegeeltern aufgewachsen. Es war den ausländischen Frauen damals nicht erlaubt, zu Hause bei den Kindern zu bleiben. Als er neun Jahre alt war, starben seine Eltern kurz nacheinander, und die beiden Kinder wurden nach Italien geschickt - zu einem Onkel, der die beiden Kinder in seiner Bäckerei gut gebrauchen konnte. Die Pflegemutter, eine Schweizerin, die zudem auch seine Patin war, hätte Sergio gerne bei sich behalten, aber es war nicht möglich. Die Gesetze liessen es nicht zu. Die Trauer und der Schmerz müssen gross gewesen sein. Sergio sprach praktisch kein Italienisch. Die Schule fiel ihm schwer. Zudem musste er jeden Morgen, ehe er zur Schule gehen konnte, in der Backstube helfen und Brot austragen. Nach fünf Jahren war seine Schulpflicht zu Ende, und er hatte nur noch bei seinem Onkel zu arbeiten für Kost und Logis. Geld hat er dafür nie gesehen. Bald einmal verkehrte er in der Familie Vilmas, jedoch ohne sie wahrzunehmen. Sein Interesse galt nämlich ihrem älteren Bruder Silvio. über ihn konnte Sergio in die Musikschule einer Fabrik gehen und dort Klarinette, Saxophon und Fisarmònica spielen lernen. Er war glücklich. Und in dem er mit einer kleinen Gruppe zum Tanz aufspielte, verdiente er sein erstes eigenes Geld. Vilma, die 1927 geboren ist, entdeckte er erst um 1950. Sie war eben "nur" die kleine Schwester Silvios. Sie arbeitete als Stickerin in jener Fabrik, in der auch die Musikschule war. 1951 beschloss Sergio, in die Schweiz zu fahren und Arbeit zu suchen. Sein Onkel dachte nämlich nicht daran, ihm für seine Arbeit einen Lohn zu bezahlen. So arbeitete er einige Jahre im Hotelfach im Berner Oberland. Derweil wartete Vilma auf ihn - ganze fünf Jahre lang. Sie hörten und sahen sich ganz selten. Es war einfach so. Als ihn einmal ein junges Mädchen im Office fragte, wie alt er denn eigentlich sei, und ob er denn nicht heiraten wolle, fiel ihm ein, dass es wohl Zeit dafür wäre, die leidige Situation zu verändern. 1956 heirateten Sergio und Vilma und kamen zusammen in die Schweiz. Sie arbeitete als Schneiderin im Akkord: Ärmel hatte sie einzunähen. 1957 und 1958 kamen die ersten beiden Kinder zur Welt. Vilma wäre gerne zu Hause geblieben, aber als Ausländerin musste sie weiterarbeiten und ihre Kinder schweren Herzens in eine Pflegefamilie geben. 1961, Sergio war jetzt zehn Jahre in der Schweiz, bekamen sie die Niederlassungbewilligung, und nach der Geburt des dritten Kindes blieb sie zu Hause. 1960 machte Sergio die Lastwagenprüfung und hatte damit endlich einen richtigen Beruf. Viele Jahre arbeitete er als Lastwagenchauffeur am gleichen Ort. 1969 war eine Änderung fällig: Sergio wurde "Eiermann", und 1974 übernahmen sie zusätzlich einen Milchladen mit Milchtour. Im Laden war Vilma die Chefin. 1988 verkauften sie ihren Laden. Eigentlich hatten sie gedacht, dass sie von da an etwas pendeln wollten, aber es wurde nichts daraus. Zu verschieden erschien ihnen die Lebensweise im Piemont und in der Schweiz. So entschlossen sie sich, die Wohnung, die sie in ihrer alten Heimat erworben hatten, zu verkaufen und ihren Lebensabend in der Schweiz zu verbringen, zumal ihre Kinder mit ihren Familien hier leben. Musik ist Sergio noch immer sehr wichtig. Er singt im Kirchenchor und spielt auf seiner Fisarmònica, und wenn der Eindruck nicht täuscht, bewundert ihn Vilma deswegen auch noch heute ... (mst) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| _______________________________________________________________________________________________________________________ | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||